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Interview mit Schahrzad Mansouri
Karate Kata - Lehrgang Budo Club Todtnau
Frage BCT: Mit wie viel Jahren und wo hast Du mit Karate angefangen? Schahrzad: Ich habe mit 13 Jahren in Bad Mergentheim, einem kleinen Ort nahe Würzburg, mit Karate angefangen.
Frage BCT: Wer war dein Lehrer? Schahrzad: Mein damaliger Trainer, den ich nach wie vor sehr schätze, war Bruno Becke. Seit 1989 trainiere ich bei BT E. Karamitsos in Frankfurt.
Frage BCT: Hast du oder übst du auch andere Kampfsportarten aus? Schahrzad: Nein. Leider lässt es meine Zeit nicht zu. Sehr interessiert wäre ich jedoch, Kendo kennen zu lernen.
Frage BCT: Du bist Jugendtrainerin im DKV. Wie sehen deine Aufgaben in diesem Bereich aus? Schahrzad: Meine Aufgaben bestehen darin, talentierte Mädchen und Jungs zwischen 10 und 13/14 Jahren bundesweit zu sichten, zu fördern und sie für ihre weitere Laufbahn im Talentkader Jugend von Sigi Hartl vorzubereiten. Erste Erfolge zeichneten sich bei der letzten Schüler DM 2001 und beim DKV German Kata Cup in Maintal ab, wo sich fast ausschliesslich das T-Kader Schüler durchgesetzt hat.
Frage BCT: Wie oder wo sichtet Ihr talentierte Schüler / Jugendliche für den Bereich Karate Wettkampf? Schahrzad: Wir sichten alle 2 Jahre im Bundesstützpunkt Frankfurt junge Athleten, die von ihren Landesverbänden verschickt werden. Hierbei werden in einem Leistungstest Karatespezifische, aber auch allgemein athletische Fähigkeiten durch verschiedene Übungen geprüft. Dieser Leistungstest wird in Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer und den anwesenden Landestrainern durchgeführt.
Frage BCT: Verletzungen sind im Sport einfach möglich. Was kannst Du zur Vorbeugung von Verletzungen, gerade Karateka`s empfehlen. Schahrzad: Das A und O im Sport ist immer ein vernünftiges Aufwärmetraining, das die Muskulatur auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet. Der Schweiß auf der Haut bedeutet noch lange nicht, dass die Muskeln, Sehnen und Bänder auch optimal temperiert sind. Das Training sollte immer gut dosiert und, über die Woche gesehen, vernünftig aufgebaut sein, d.h. nicht nach jedem Training „auf dem Zahnfleisch herauskriechen“!
Der Körper hat ein ausgeklügeltes „Frühwarnsystem“. Deshalb wäre es angebracht, auf die Signale des Körpers zu hören. Früher war man der Meinung, „Wenn es weh tut, ist es gut“! Man sollte viel mehr auf seinen Körper hören, um unnötige Verletzungen zu vermeiden.
Frage BCT: Was rätst du jungen Karateka`s bei akuten Verletzungen. Ich meine, da eine Verletzung auch immer mental zu schaffen macht. Schahrzad: Verletzungen im Leistungssport wird es immer geben, da mit erhöhtem Trainingspensum der Körper auch anfälliger wird. Je nach Art der Verletzungen sollte man daher diese Zeit beispielsweise für langsames Techniktraining, Krafttraining, Laufen, aber auch für das mentale Training nutzen. Das Schlimmste ist, in dieser Zeit nichts zu tun. Man bekommt den Eindruck, den Anschluss zu verpassen.
Frage BCT: Wie oft trainierst Du, für Dich, in der Woche? Schahrzad: Ich trainiere täglich, wobei zum Karatetraining auch das Krafttraining und das Laufen hinzukommen.
Frage BCT: Wie siehst Du die Entwicklung des Karate, im Wettkampf, in Europa? Schahrzad: Das Bunkai ist eine große Bereicherung für den Wettkampf. Ich möchte fast behaupten, dass das Bunkai der Höhepunkt jeder Finalveranstaltung ist. Das Karate im Allgemeinen ist sehr schnell und sehr athletisch geworden. Athleten, die heute europaweit auf den vordern Plätzen sind, sind absolute Spitzensportler.
Frage BCT: Wie siehst Du die Zukunft des Karate, in Bezug auf Olympia? Schahrzad: Sollte Karate unter den geplanten Voraussetzungen des IOC olympisch werden und nur das Kumite als Wettkampfdisziplin zulassen, so sehe ich eine große Gefahr, dass sich der Leistungssport von der breite Masse der Karatekas weit entfernt. Man muss abwarten.
Frage BCT: Wo startest Du als nächstes, International an Kata - Meisterschaften. Wenn Ja, wie bereitest Du dich vor. Schahrzad: Mein nächster Einsatz wird mit dem Team bei der WM in Madrid sein. Mein Trainingspensum wird sich bis dahin erhöhen, wobei natürlich das Team Training im Vordergrund steht.
Frage BCT: In München bei der WM 2000 warst Du vor heimischen Publikum. Macht Dich das eher nervös, motiviert dich die Stimmung oder konzentrierst Du dich nur noch auf den Ablauf der Kata? Schahrzad: München war ein ganz besonderes Erlebnis, das seines gleichen sucht. Ich glaube, da spreche ich für alle meine Teamkolleginnen und Kollegen. Von 13 000 Fans bejubelt zu werden, war die größte Motivation für mich. Ich war in diesen Augenblicken natürlich sehr konzentriert auf meine Kata, wollte aber auch „meinem“ Publikum alles geben.
Frage BCT: Was für einen Tipp hast Du für junge Karateka`s, für die mentale Vorbereitung vor einem Kata – Wettkampf ? Schahrzad: Das ist individuell verschieden, da jeder Sportler auch mental unterschiedlich ist. Es sind Erfahrungswerte, die die Sportler am besten mit ihren Trainern herausfinden sollten. Übernervöse Athleten sollten einen Weg finden, um sich zu beruhigen (z.B. autogenes Training). Athleten, die vor Nervosität oder Angst wie gelähmt sind, sollten von ihren Trainern vor dem Start z.B. mit Wiederholen der Katasequenzen „beschäftigt“ und aktiviert werden. Der wichtigste Gedanke vor dem Start ist jedoch der Glaube an sich selbst!
Frage BCT: Gibt es für Dich eine sogenannte Lieblingskata? Wenn Ja, welche? Schahrzad: Es gibt viel „Lieblingskatas“, aber Unsu, Nijushiho und Gangaku gehören zu meinen Favoriten.
Frage BCT: Was war aus sportlicher Sicht, dein bisher größter Erfolg? Schahrzad: Der 3. Platz bei der WM 1996 in Sun City/Süd Afrika. Nach Bundestrainer Efthimios Karamitsos war es die erste Plazierung für den DKV bei einer WM der WKF.
Frage BCT: Was bist oder machst Du beruflich? Ist Karate deine berufliche Tätigkeit? Schahrzad: Ich habe das große Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Ich arbeite im Bundesstützpunkt von BT E. Karamitsos in Frankfurt.
Frage BCT: Habt Ihr ein größeres Projekt in Arbeit? Damit ist die Arbeit mit Efthimios an einem neuen Karate Video ( Lehrfilm ) gemeint. Schahrzad: Geplant sind einige Dinge, die jedoch noch ein wenig Zeit brauchen.
Ich bedanke mich recht herzlich bei Schahrzad, für das interessante Interview.
Gebhard Lämmle 20.04.2002
Erfolge von Schahrzad Mansouri
National:
1. Platz DM 1996, 1995, 1994 und 1993 Kata Einzel 1. Platz DM 1992+1991 Kata Team 1. Platz DM 1998, 1999 und 2000
International:
1. Platz WSKA-Championship 1997 Kalifornien Kata Einzel und Team 1. Platz IDM 1997 Böblingen Kata Einzel 1. Platz WSKA 1995+1993 Kata Einzel 1. Platz WSKA 1995+1993 Kata Team 1. Platz Dutch Open 1995+1994 Kata Einzel 1. Platz IDM in Konstanz 1993 Kata Einzel 1. Platz Nakayama Cup 1993 Kata Einzel und 3. Platz Kumite Einzel (Gesamtsiegerin) 2. Platz EM in Helsinki 1995 Kata Einzel und 4. Platz Kata Team 2. Platz IDM in Berlin 1991 Kata Einzel 2. Platz ESKA in Ferrara 1990 Kata Team und 4. Platz Kata Einzel 3. Platz WM in Sun City/Südafrika 1996 Kata Einzel 3. Platz EM in Birmingham 1994 Kata Einzel + Team 3. Platz Fukuoka World Women's Cup 1991 Kata Team und 8. Platz Kata Einzel 4. Platz EM in Prag 1993 Kata Team 4. Platz Fukuoka World Women's Cup 1992 Kata Team und 7. Platz Kata Einzel 4. Platz EM in Den Bosch 1992 Kata Team 4. Platz EM in Hannover 1991 Kata Team 4. Platz EM in Wien 1990 Kata Team 6. Platz WM in Kota Kinabalu 1994 Kata Team 6. Platz WM in Granada 1992 Kata Team
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